| Berliner Halbmarathon

Äthiopische Favoriten und starke Deutsche versprechen heißes Rennen in der Kälte

© SCC Events / Petko Beier
In der Spitze hochklassig besetzt und in der Breite mit einem Rekordfeld: Der 44. Generali Berliner Halbmarathon verspricht am Sonntag ein heißes Rennen bei sehr kalten Temperaturen. Mit Fotyen Tesfay und Gemechu Dida kommen die Favoriten aus Äthiopien. Die Aufmerksamkeit der deutschen Fans gilt besonders Gesa Krause und Esther Pfeiffer sowie den beiden Ausnahme-Marathonläufern Amanal Petros und Richard Ringer.
Jörg Wenig

Fotyen Tesfay (Äthiopien) ist die schnellste Halbmarathon-Läuferin, die je im deutschsprachigen Raum auf der Startliste eines Straßenrennens stand. Mit Ihrer Bestzeit von 63:21 Minuten, die sie im Oktober in Valencia (Spanien) lief, ist sie nur 29 Sekunden entfernt vom Weltrekord ihrer Landsfrau Letesenbet Gidey (62:52 min). „Ich bin nach Berlin gekommen, um meine Bestzeit zu unterbieten. Ich weiß, dass die Strecke sehr gut ist, denn es gab eine Reihe von äthiopischen Läuferinnen, die hier erstklassige Leistungen erzielt haben. Daher habe ich sehr hohe Erwartungen“, sagte Tesfay vor ihrem Start am Sonntag (6. April) beim Generali Berliner Halbmarathon.

Geht sie ein entsprechendes Tempo tatsächlich an, wäre dies zugleich ein Angriff auf den Weltrekord. Allerdings können sich die vorhergesagten sehr kalten Temperaturen leistungsmindernd bemerkbar machen. Der Berliner Streckenrekord von 65:02 Minuten und die Jahresweltbestzeit (64:13 min) sind aber realistische Ziele. „Mit Fotyen Tesfay haben wir eine Läuferin am Start, die eine Zeit erreicht hat, über die sich noch vor ein paar Jahren deutsche Männer gefreut hätten“, sagte Race-Direktor Mark Milde.

Eine Athletin, die Fotyen Tesfay herausfordern könnte, ist ihre Landsfrau Ftaw Zeray. Sie war vor einem Jahr in Berlin bereits Zweite und hat eine Bestzeit von 66:04 Minuten. „Ich laufe gerne in Berlin. Mein Ziel ist eine persönliche Bestzeit“, sagte Ftaw Zeray. Zwei starke britische Läuferinnen, die zur erweiterten europäischen Spitze zählen, könnten eine gute Rolle spielen: Jessica Warner-Judd hat eine persönliche Bestzeit von 67:07 und Samantha Harrison erreichte bisher 67:10 Minuten. Beide wollen sich nach Krankheits- beziehungsweise Verletzungsproblemen zurückmelden.

Deutsches Duell: Gesa Krause vs. Esther Pfeiffer

Zwei deutsche Läuferinnen könnten sich am Sonntag an den Britinnen orientieren: Gesa Krause (Silvesterlauf Trier) und Esther Pfeiffer (Düsseldorf Athletics) führen mit fast identischen Bestzeiten von 69:46 beziehungsweise 69:49 Minuten das deutsche Elitefeld an. Beide wollen sich in Berlin weiter steigern.

Hindernisspezialistin Gesa Krause konzentriert sie sich in diesem Frühjahr auf die Straßenrennen, und der Berliner Halbmarathon ist dabei der Höhepunkt. „Ich bin ja schon 2018 hier gelaufen und habe den Halbmarathon als ein tolles Rennen in Erinnerung. Damals habe ich viele positive Erfahrungen gesammelt und freue mich, nun wieder in Berlin laufen zu können“, sagte Gesa Krause, die vor sieben Jahren in Berlin in 72:16 Minuten Platz fünfbelegt hatte. Im Sommer wird die Hindernis-Vize-Europameisterin wieder auf die Bahn zurückkehren. Ein Marathon-Debüt ist noch nicht absehbar, aber in ihrer langfristigen Planung.

Für eine Überraschung sorgen könnte Blanka Dörfel (Marathon Team Berlin). Die 22-Jährige, deren Bestzeit ihr deutscher Rekord der unter 20-Jährigen ist (71:54 min), will sich nach mehreren Jahren mit Verletzungs- und Krankheitsproblemen zurückmelden. Dies gilt nach derartigen Problem auch für Rabea Schöneborn (PB 70:35 min) und Kristina Hendel (PB 70:38 min), die beide für das Marathon Team des SCC Berlin starten.

Zweikämpfe um Sieg und deutsche Vormachtstellung

Ein spannender Zweikampf zwischen dem Äthiopier Gemechu Dida und dem Kenianer Gideon Kiprotich zeichnet sich bei den Männern ab. Beide reisen in Topform nach Berlin. Dida hat eine Bestzeit von 58:39 Minuten und ist damit sogar drei Sekunden schneller als der Berliner Streckenrekord (58:42 min). Er war im Februar in 59:25 Minuten Zweiter beim hochklassigen Ras Al Khaimah-Halbmarathon in den Vereinigten Arabischen Emiraten. „Ich habe gut trainiert und mein Ziel ist es, am Sonntag zu gewinnen“, sagte Gemechu Dida. Kiprotich gewann vor einem Monat den Rom-Ostia-Halbmarathon und steigerte sich dabei auf 58:49 Minuten. Für die Kenianer geht es auch um die Fortsetzung ihrer eindrucksvollen Berliner Erfolgsserie: Seit 2017 belegten sie bei dem Rennen immer zumindest die ersten drei Plätze.

Amanal Petros (Hannover 96) rückte spät noch in das Elitefeld nach. So könnte es nun zu einem spannenden Duell mit Richard Ringer (LC Rehlingen) kommen. Petros ist der deutsche Halbmarathon-Rekordler (60:09 min) und der erste Läufer in der deutschen Leichtathletik-Geschichte, der zudem die nationalen Bestmarken auch im Marathon und über 10 Kilometer gebrochen hat. Ringer schrieb 2022 in München nationale Leichtathletik-Geschichte: Er gewann als erster Deutscher den Männer-Marathon bei den Europameisterschaften.

Amanal Petros: "In Richtung deutscher Rekord"

„Ich bin optimal vorbereitet und gestern aus dem Höhentrainingslager in Kenia nach Berlin gereist“, sagte Amanal Petros. „Ich würde gerne in Richtung deutscher Rekord laufen. Diese Marke ist ja auch schon vier Jahre alt.“ Ein ganz so schnelles Rennen plant Richard Ringer allerdings nicht. „Ein Angriff auf den deutschen Rekord ist noch ein bisschen weit hergeholt, aber eine persönliche Bestzeit unter 61:00 Minuten ist das Ziel“, sagte Ringer, dessen Bestzeit bei 61:09 Minuten steht.

Für eine Überraschung sorgen könnte Johannes Motschmann (SCC Berlin), der sich im Januar in Houston (USA) auf 61:03 Minuten steigerte und damit in der deutschen Alltime-Bestenliste als Vierter sogar vor Richard Ringer steht. In Houston gelang ihm diese persönliche Bestzeit übrigens bei eiskaltem Wetter. „Ich hoffe, dass ich eine Zeit unter 61 Minuten erreiche. Die Kälte macht mir nichts aus“, sagte Johannes Motschmann.

Die Veranstalter registrierten für den mit Abstand größten und spektakulärsten deutschen Halbmarathon eine Rekord-Meldezahl von 40.721 Läufern aus 135 Nationen. Damit rückt der Lauf auf zu den größten Rennen der Welt über die 21,0975-Kilometer-Distanz.

Einen Livestream vom Generali Berliner Halbmarathon finden Sie am Sonntag ab 9:10 auf dem YouTube-Kanal von SCC Events, zu den Live-Ergebnissen mit Leader-Board gelangen Sie hier.

Topläufer mit Bestzeiten

Männer

Gemechu Dida | ETH | 58:39    
Gideon Kiprotich | KEN | 58:49    
Richard Etir | KEN | 59:32    
Amanal Petros | Hannover 96 | 60:09
Diego Estrada | USA | 60:49    
Robert Koech | KEN | 60:56    
Johannes Motschmann | SCC Berlin | 61:03    
Richard Ringer | LC Rehlingen | 61:09    
Carlos Diaz | CHI | 61:32         
Akira Aizawa | JPN | 61:45    
Curtin Fearghal | IRL | 61:45    
Jonathan Dahlke | TSV Bayer 04 Leverkusen | 62:29    
Filimon Abraham | LG Telis Finanz Regensburg | 62:35        

Frauen

Fotyen Tesfay | ETH | 63:21 min 
Ftaw Zeray | ETH | 66:04 min    
Jessica Warner-Judd | GBR | 67:07 min   
Samantha Harrison | GBR | 67:10 min  
Caroline Korir | KEN | 67:57 min   
Winnie Kimutai | KEN | 68:41 min    
Diana Chepkorir | KEN | 69:24 min   
Martina Strähl | SUI | 69:28 min    
Gesa Krause | Silvesterlauf Trier | 69:46 min 
Esther Pfeiffer | Düsseldorf Athletics | 69:49 min 
Malindi Elmore | CAN | 70:11 min  
Georgie Grec | NZL | 70:12 min         
Rabea Schöneborn | SCC Berlin | 70:35 min  
Kristina Hendel | SCC Berlin | 70:38 min  
Blanka Dörfel | SCC Berlin | 71:54 min  
Mia Jurenka | VfL Sindelfingen | 71:56 min  

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