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14.08.2013 | WM 2013 | Silke Bernhart

Robert Harting: „Der Arm der Vergeltung“

Dreimal WM-Gold in Serie: Robert Harting ist und bleibt der beste Diskuswerfer der Welt. Wie der Berliner am Dienstag bei der WM in Moskau (Russland) trotz Rückenschmerzen 69,11 Meter warf, welche Rolle sein Wurfarm dabei spielte und wie er über den Vergleich mit dem fünfmaligen Weltmeister Lars Riedel denkt, das verriet er den Journalisten anschließend in Mixed Zone und Pressekonferenz.

Robert Hartings dritte WM-Goldmedaille (Foto: Chai)


Robert Harting, Sie haben wieder die versammelte Weltelite hinter sich gelassen, herzlichen Glückwunsch! Zwischenzeitlich sah es aber gar nicht gut aus – was war los mit Ihrem Rücken?

Robert Harting:
Ich bin aufgestanden, und auf einmal hatte ich einen Stein im Rücken. Reflektorische Zuspannung nennt man das. Wenn man seitlich aufsteht, gibt es einen Schlag auf die Bandscheibe und der Muskel geht in den Verteidigungsmodus. Da kannst du dich dann nicht mehr drehen. Und das müssen wir Diskuswerfer nunmal, das habt ihr ja schon alle mitbekommen.

Was haben Ihnen die Ärzte oder Physiotherapeuten geraten, als das passierte?

Robert Harting:
Mir wurde geraten, mich nicht hinzulegen und zu warten, bis es besser wird. Wenn ich kalt geworden wäre, wäre das nicht gut gewesen. Also habe ich mir gesagt, okay, du machst dich noch mal warm und legst alles in den vierten Versuch. So ist es dann passiert.

Sogar im sechsten Versuch flog Ihr Diskus noch mal weit!

Robert Harting:
Ja, der ging dann noch mal mit Happiness und Adrenalin. Aber da habe ich mich auch wieder verletzt! Da tat dann der Beuger weh.

Sie sind als Favorit in den Wettbewerb gegangen. Wie ging es Ihnen denn vor der Mission Titelverteidigung?

Robert Harting:
Die letzten Stunden im Hotel waren furchtbar! Weil mein technisches Niveau grad nicht so gut ist, habe ich die ganze Zeit darüber gegrübelt, wie ich die Situation am besten meistere.

Die Technik ist nicht da? Sie haben doch zweimal über 69 Meter geworfen!

Robert Harting:
Von außen sehen die Würfe vielleicht ähnlich aus. Aber man sieht schon: Der eine geht ins Netz. Der andere flattert bei 62 Metern auf den Boden. Das zeigt, dass die Technik nicht da ist. Und da ist es schwer, sich sicher zu fühlen. Als dann diese Zuspannung im Rücken hinzukam, habe ich echt angefangen, zu zweifeln. Denn ich wusste: 68,13 Meter, das wird nicht reichen. Behandelt werden konnte ich aber auch nicht, es hätte nur ein russischer Arzt zur Verfügung gestanden. Also blieb mir nichts übrig, als mich warm zu halte. Der Wurf war Risiko. Den habe ich nur oben rauf gerasselt. Der Arm der Vergeltung hat zugeschlagen!

Wie verlief denn in den vergangenen Wochen das Training?

Robert Harting:
Naja, in Sachen Vitalität lief es gut, ich hatte keine Verletzungen. Das war auch ein Novum. Das lädierte Knie hat sich zurückgehalten. Aber ich habe ja schon das ganze Jahr unterperformt. Das mit dem Olympiasieg habe ich eigentlich erst im Februar realisiert. Dann kommst du ewig nicht in deine Brennweite, 96, 97, 98 Prozent reichen nicht im Leistungssport. Es ist wie mit einer Kassette, die man immer abspielt und die irgendwann ausleiert und dudelt.

Sie hatten mal erwähnt, dass es fast eine Erleichterung war, als im Juni Ihre Siegesserie gerissen ist…

Robert Harting:
Nachdem Piotr Malachowski mich geschlagen hat, war das wie ein Startschuss: Jetzt kannst du endlich mal wieder nacharbeiten! Ich konnte abschalten, mit meiner Technik abschließen und dann wieder neu anfangen. Die ersten Tage ging das eigentlich auch ganz gut, da bin ich gut vorangekommen, aber dann konnte ich das alles nicht mehr verbinden. Habe auf alte Sachen zurückgegriffen, habe das Neue liegenlassen, dann ging das nicht, dann habe ich das Neue wieder genommen… Irgendwann ist man durcheinander und das macht keinen Spaß mehr.

Wie schwierig war es vor diesem Hintergrund, hier den dritten WM-Titel zu holen?

Robert Harting:
Es ist immer leichter, jemanden zu jagen und in die Enge zu trennen, als in jede Richtung wegzurennen und sich immer Vorsprung zu erarbeiten! Je mehr Titel man hat, umso schwieriger wird es, die Basis, den sicheren Hafen zu verlassen, und Risiko einzugehen. Bei Menschen, die ganz viel Geld haben, ist das ja ähnlich.

Lars Riedel hat sogar viermal in Folge Gold gewonnen, hat insgesamt fünf WM-Titel geholt. Ist das für Sie jetzt das nächste Ziel?

Robert Harting:
Daran denke ich gar nicht! Klar hat Deutschland eine große Diskuswurf-Tradition. Lars Riedel ist der erfolgsreichste deutsche Athlet. Aber seinen ersten Titel hat er mit 66,20 Metern gewonnen. Das reicht heutzutage nicht. Man muss konstant ein Niveau von 68, 69 Metern halten. Und das so lange zu schaffen, wie er aktiv war, ist fast unmöglich. Natürlich werde ich alles daran setzen und im Training alles geben. Aber die Konkurrenz ist stark!


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