| Glasgow 2024

Hallen-WM Tag 2 | Weltrekord für Femke Bol, Doppel-Gold für die Gastgeber

© Torben Flatemersch
Die Niederländerin Femke Bol hat dem begeisterungsfähigen Publikum von Glasgow über 400 Meter den ersten Hallen-Weltrekord der Titelkämpfe beschert. Umjubelt waren zudem zwei Siege der Lokalmatadoren. Grant Holloway setzte seine eindrucksvolle Siegesserie über die Hürden fort.
Silke Bernhart

Es ist schon fast zur Gewohnheit geworden: Wann immer die Niederländerin Femke Bol in den Startblock steigt, liegt Großes in der Luft. Und die 24-Jährige enttäuschte auch bei der Hallen-WM in Glasgow (Großbritannien) nicht. Im 400-Meter-Finale vergoldete sie am Samstag nicht nur ihre Silbermedaille der vorangegangenen Titelkämpfe, sie steigerte sogar ihren eigenen kaum zwei Wochen alten Hallen-Weltrekord auf 49,17 Sekunden. Im Ziel gab es etwa eine Sekunde später doppelt Grund zur Freude, denn ihre Trainingspartnerin Lieke Klaver (50,16 sec) erkämpfte sich Silber knapp vor Alexis Holmes (USA; 50,24 sec).

Einen weiteren Sieg eines haushohen Favoriten konnten die Zuschauer in der Emirates Arena über 60 Meter Hürden bestaunen. Hallen-Weltrekordler Grant Holloway (USA) ließ in Vorlauf, Halbfinale und Finale nicht den Hauch eines Zweifels aufkommen, dass er der alte und neue Hallen-Weltmeister sein wird. In 7,29 Sekunden stellte er zudem seinen eigenen Meisterschaftsrekord ein. Spannend wurde es erst dahinter, und dann laut im italienischen Block, als Lorenzo Ndele Simonelli mit neuem Landesrekord von 7,43 Sekunden als Silbermedaillen-Gewinner auf der Anzeigetafel erschien. Bronze ging an Frankreich und an Just Kwayou Mathey (7,47 sec).

Ein weiterer Weltrekordler musste sich dagegen am Samstag knapp geschlagen geben: 400-Meter-Hürden-Spezialist Karsten Warholm (Norwegen; 45,34 sec), der bei der Hallen-WM die einzigen Rennen seiner Hallensaison bestritt, wurde auf der Zielgerade überraschend noch vom Belgier Alexander Doom (45,25 sec) abgefangen. Auf den Bronzerang rannte Rusheen McDonald (Jamaika; 45,65 sec).

Elle St. Pierre ringt Gudaf Tsegay nieder

Das 3.000-Meter-Finale der Frauen war bereits am früheren Abend ein pfeilschneller Ausscheidungslauf und ein erster stimmungsvoller Höhepunkt der Meisterschaften: Schottlands Nationalheldin Laura Muir kämpfte an der Stätte ihres Hallen-EM-Golds von 2019 um die nächste Medaille, doch ein Quartett an der Spitze war spätestens ab der Hälfte des Rennens enteilt, sie wurde schließlich Fünfte.

Mit dem besten Spurt und neuem Meisterschaftsrekord (8:20,87 min) rang die US-Amerikanerin Elle St. Pierre die Nummer eins des Jahres Gudaf Tsegay (Äthiopien; 8:21,13 min) nieder. Für die Äthiopierin war es in der Halle die erste Niederlage seit fünf Jahren. Elle St. Pierre feierte mit dem Titel fast genau ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes Ivan den größten Erfolg ihrer Karriere. Bronze holte mit neuem Hallen-Landesrekord für Kenia die Hindernis-Weltrekordlerin Beatrice Chepkoech (8:22,68 min). Für Jessica Hull blieb auf Rang vier als Trost für die Holzmedaille ebenfalls ein Hallen-Landesrekord (8:24,29 min).

Josh Kerr und Molly Caudery lassen Briten jubeln

Noch lauter wurde es, als wenig später die Medaillen im Stabhochsprung der Frauen und über 3.000 Meter der Männer vergeben wurden. Denn auch hier waren mit Molly Caudery und Josh Kerr zwei Lokalmatadoren aussichtsreich im Wettbewerb. Das Finale über 3.000 Meter war begleitet von einem Crescendo, das auf der letzten Runde in ohrenbetäubenden Jubel mündete. Denn hier stürmte der 1.500-Meter-Weltmeister Josh Kerr dem Rest der Konkurrenz davon und in 7:42,28 Minuten zum Hallen-WM-Gold. Geschlagen geben mussten sich Yared Nuguse (USA; 7:43,59 min) und Titelverteidiger Selemon Barega (Äthiopien; 7:43,59 min).

Auch jeder Sprung der Weltjahresbesten Molly Caudery war in Glasgow von einem lauten Raunen begleitet, besonders jener über 4,80 Meter im zweiten Versuch. Denn der war Gold wert! Im dritten Anlauf meisterte Eliza McCartney (Australien) diese Höhe, sie wurde dafür mit Silber belohnt. Für die Olympiasiegerin und zweimalige Weltmeisterin Katie Moon (USA; 4,75 m) gab’s dieses Mal Bronze. Überschattet wurde der Wettbewerb zu Beginn von einem Sturz der Französin Margot Chevrier, die medizinisch behandelt und auf einer Trage aus der Halle gebracht werden musste.

Julien Alfred holt erste Medaille für St. Lucia: Gold

Auch das 60-Meter-Finale der Frauen war mit einer Phase der Verzögerung verbunden, denn noch vor dem Startschuss musste sich mit Aleia Hobbs (USA) eine der Medaillenkandidatinnen verletzt verabschieden. Am besten kam dann erneut die Polin Ewa Swoboda aus den Blöcken, die im Halbfinale in 6,98 Sekunden eine Kampfansage an die Konkurrenz geliefert hatte. Doch im Finale hatte Julien Alfred das letzte Wort: Die 22-Jährige holte in 6,98 Sekunden Gold und damit die erste Medaille überhaupt für St. Lucia bei einer Hallen-WM. Ewa Swoboda sprintete auf den Silberrang (7,00 sec), dahinter bescherte Zaynab Dosso (7,03 sec) Italien einen weiteren Podestplatz.

Zwei Finals fanden am zweiten Wettkampf-Tag mit deutscher Beteiligung statt. In einem Zentimeter-Krimi im Weitsprung der Männer, in dem Miltiadis Tentoglou (Griechenland; 8,22 sec) seine neunte internationale Goldmedaille erringen konnte, wurde Simon Batz (MTG Mannheim; 8,06 m) starker Vierter. Im Dreisprung der Männer setzte sich mit Hugues Fabrice Zango (Burkina Faso; 17,53 m) der Hallen-Weltrekordler durch. Max Heß (LAC Ergas Chemnitz; 16,66 m) verpasste als Neunter knapp den Endkampf.

Im Siebenkampf übernachtet Ken Mullings (Bahamas; 3.637 pt) unter anderem nach 2,16 Metern im Hochsprung als Führender, die Plätze zwei bis vier mit Simon Ehammer (Schweiz; 3.558 pt), Johannes Erm (Estland; 3.552 pt) und Sander Skotheim (Norwegen; 3.547 pt) trennen dahinter nur elf Punkte.

Hallen-WM 2024 Glasgow

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