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13.08.2013 | WM 2013 | dpa/alex

4. WM-Tag: Isinbayeva gewinnt Stabhoch-Krimi

Auf Diskus-Ass Robert Harting ist Verlass. Nach 2009 und 2011 gewann der Berliner zum dritten Mal den Weltmeistertitel - unter Schmerzen. Die Russin Yelena Isinbayeva gewinnt ein Stabhochsprung-Drama und Silke Spiegelburg (TSV Bayer 04 Leverkusen) verzweifelt: Wieder Vierte.

Robert Harting trotzt den Schmerzen (Foto: Chai)


Gold, Gold, Gold! Diskus-Ausnahmewerfer Robert Harting feierte am Dienstag bei den Weltmeisterschaften in Moskau seinen dritten Triumph in Serie. ‚ÄěIm Kopf hatte ich die ganze Zeit, dass ich es noch wuppen w√ľrde‚Äú, sagte der 28-j√§hrige Berliner, der w√§hrend des Titelkampfes von massiven R√ľckenproblemen geplagt war, im ZDF. Dennoch hatte er noch genug Kraft, erst sein Trikot zu zerfetzen und dann seine in Tr√§nen aufgel√∂ste Freundin, Diskuswerferin Julia Fischer (SCC Berlin), zu k√ľssen.

Olympiasieger Harting schleuderte die Scheibe im zweiten Versuch schon auf gute 68,13 Meter, obwohl er von massiven R√ľckenproblemen geplagt war. Doch Harting biss die Z√§hne zusammen und setzte noch einen drauf: Im vierten Versuch landete der Diskus bei 69,11 Meter - zu weit f√ľr seinen ewigen Rivalen Piotr Malachowski (Polen), der √ľber 68,36 Meter nicht hinauskam.

Unter Schmerzen

‚ÄěEs tut manchmal weh, da brauchen wir uns nichts vormachen, dass ist Hochleistungssport‚Äú, meinte er. ‚ÄěWenn das Adrenalin da ist, dann muss man. Ich h√§tte aber auch gut und gerne Zweiter werden k√∂nnen.‚Äú Erleichtert war auch sein Trainer Werner Goldmann. ‚ÄěEs war ein toller Wettkampf mit einem guten, gl√ľcklichen Ende‚Äú, kommentierte er den Ausgang, mit dem er nach dem Handicap im R√ľcken nicht gerechnet hatte: ‚ÄěEigentlich nicht, das hat er super gel√∂st, gro√üartig.‚Äú

Dritter wurde Gerd Kanter (Estland) mit 65,19 Metern. Dem Magdeburger Martin Wierig fehlten nur 17 Zentimeter zur Bronzemedaille. Mit 65,02 Meter wurde der Olympia-Sechste Vierter und feierte seinen bisher gr√∂√üten internationalen Erfolg. ‚ÄěDer vierte Platz ist in Ordnung. Eine Medaille war aber m√∂glich‚Äú, sagte Wierig.

Platz vier f√ľr Claudia Rath im Siebenkampf


Claudia Rath machte den bislang besten Siebenkampf ihrer Karriere (Foto: Chai)


Auch die Siebenk√§mpferin Claudia Rath verpasste den Gewinn der Bronzemedaille nur um 15 Z√§hler. Mit 6.462 Punkten wurde die Frankfurterin Vierte hinter der neuen Weltmeisterin Hanna Melnytshenko (Ukraine/6.586) und Brianne Thesen-Eaton (Kanada/6.530). Ihr Ehemann Ashton Eaton (USA) war zuvor Zehnkampf-Weltmeister geworden. Ein ‚Äěkleines weinendes Auge‚Äú habe sie, aber eigentlich sei sie zufrieden, sagte Rath im ZDF.

Harting hatte bereits 2009 in Berlin und 2011 in Daegu (S√ľdkorea) Gold geholt. Mehr Diskus-Titel als er hat nur der Chemnitzer Lars Riedel errungen, der zwischen 1991 und 2001 gleich f√ľnfmal Weltmeister war. Bei der 14. WM gewann nun zum neunten Mal deutscher Werfer. 1987 in Rom hatte der Schweriner J√ľrgen Schult gesiegt.

Starkes Zwischenergebnis f√ľr den DLV

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) steuert damit in der russischen Metropole auf ein √§hnlich starkes Gesamtergebnis wie schon bei der WM 2011 in Daegu (3 Gold/3 Silber/1 Bronze) und den Olympischen Spielen 2012 im britischen London (1/4/3) zu. Vor Harting hatten bereits die Stabhochspringer Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibr√ľcken) und Bj√∂rn Otto (ASV K√∂ln) Gold und Bronze sowie Christina Schwanitz (LV 90 Erzgebirge) im Kugelsto√üen und Zehnk√§mpfer Michael Schrader (TSV Bayer 04 Leverkusen) jeweils Silber gewonnen.

Yelena Isinbayeva ließ Russland jubeln (Foto: Chai)


Zum Heulen war dagegen Stabhochspringerin Silke Spiegelburg zumute, die wieder bei einem Welttitelkampf an einer Medaille vorbeiflog. Wie 2012 bei der EM in Helsinki und den Olympischen Spielen in London wurde die Leverkusenerin mit 4,75 Metern nur Vierte. "Mir fehlen die Worte", sagte sie und kämpfte verzweifelt mit den Tränen.

Erst am Weltrekord gescheitert

Strahlende Siegerin des Stabhochsprung-Dramas von Moskau war die russische Volksheldin Yelena Isinbayeva, die mit 4,89 Meter den dritten WM-Titel gewann und den Angriff der H√∂henfliegerinnen Jennifer Suhr (USA) und Yarisley Silva (Kuba), die beide 4,82 Meter sprangen, abwehrte. Das I-T√ľpfelchen wollte der 31-J√§hrigen aber nicht mehr gelingen: Die Weltrekordh√∂he von 5,07 Meter √ľberwand sie nicht.

Lisa Ryzih (ABC Ludwigshafen) wurde im Lushniki-Stadion mit 4,55 Metern Achte. Die deutsche Hallenmeisterin Kristina Gadschiew (LAZ Zweibr√ľcken) belegte mit 4,45 Metern Platz zehn.

Merritt holt sein zweites Gold

In der Weltjahresbestzeit von 9:11,65 Minuten siegte √ľber 3.000 Meter Hindernis die Kenianerin Milcah Chemos vor ihrer Landsfrau Lidya Chepkurui, die 9:12,55 Minuten schnell war. Bronze holte sich die Olympia-Dritte Sofia Assefa aus √Ąthiopien in 9:12,84 Minuten. Die EM-Dritte Antje M√∂ldner-Schmidt aus Cottbus erreichte in 9:34,06 Minuten Rang acht direkt vor Gesa-Felicitas Krause (LG Eintracht Frankfurt), die in 9:34,11 Minuten ins Ziel kam.

Der US-Amerikaner LaShawn Merritt holte seinen zweiten Titel nach 2009 √ľber 400 Meter. In der Weltjahresbestzeit von 43,74 Sekunden siegte er vor seinem Landsmann Tony McQuay, der mit 44,40 Sekunden Luguelin Santos aus der Dominikanischen Republik auf Platz drei verwies. Olympiasieger Kirani James (Grenada) wurde in 44,99 Sekunden nur Siebter.

Aman holt sich 800-Meter-Titel

Arne Gabius schied, nach einem Sturz vor ihm, aus (Foto: Chai)


√úber 800 Meter hei√üt der neue Weltmeister Mohammad Aman. In 1:43,31 Minuten siegte der √Ąthiopier vor Nick Symmonds aus den USA, der in 1:43,55 Minuten √ľber die Ziellinie kam. Dritter wurde Ayanleh Souleiman aus Dschibuti in 1:43,76 Minuten. Olympiasieger, Titelverteidiger und Weltrekordler David Rudisha (Kenia) hatte seinen WM-Start verletzt abgesagt.

Pech hatte √ľber 5000 Meter der deutsche Meister Arne Gabius im Vorlauf. Der 32-J√§hrige kam durch einen Sturz von einem vor ihm laufenden Athleten aus dem Tritt und verlor den Anschluss an die Spitze. In 13:34,26 Minuten wurde er am Ende Zw√∂lfter. ‚ÄěIch habe mich einfach nur ge√§rgert. Ich hatte keine Chance mehr‚Äú, sagte der T√ľbinger. ‚ÄěIn dem Moment, in dem beschleunigt wurde, ist der Kenianer gest√ľrzt.‚Äú Er musste dem am Boden liegenden L√§ufer ausweichen. ‚ÄěDas Tempo war komplett raus. Ich war perplex‚Äú, berichtete der Vize-Europameister.

Chaos im Geh-Wettbewerb

Das traf auch auf die neue Weltmeisterin im 20 Kilometer Gehen zu, denn Yelena Lashmanova (Russland) dachte gleich zweimal, dass das Rennen schon vorbei sei. Die 21-Jährige stoppte im Lushniki-Stadion einmal 400 und einmal 200 Meter vor dem Ziel ab und musste beide Mal durch lautes Rufen der Zuschauer und der Kampfrichter darauf aufmerksam gemacht werden, noch weiter zu gehen. Trotzdem gewann die Weltrekordhalterin und Olympiasiegerin in 1:27:08 Stunden vor Anisya Kirdyapkina (Russland/1:27:11 h) und der Chinesin Hong Liu (1:28:10 h).

Lange Zeit sah es sogar nach einem russischen Dreifach-Erfolg aus, aber Vera Sokolova wurde rund 500 Meter vor dem Ziel als Drittplatzierte disqualifiziert. Davon profitierte die Chinesin Hong Liu. Titelverteidigerin Olga Kaniskina, die 2007, 2009 und 2011 jeweils Weltmeisterin geworden war, fehlte. Die 28-J√§hrige war kurz vor der WM offiziell aus gesundheitlichen Gr√ľnden aus dem russischen Aufgebot gestrichen worden.

Quelle: Deutsche Presse-Agentur (dpa)


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