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12.08.2013 | Interview | Jan-Henner Reitze

Christina Schwanitz: „Alles richtig gemacht“

Mit der Silbermedaille ist für Kugelstoßerin Christina Schwanitz (LV 90 Erzgebirge) am Montag bei der WM in Moskau (Russland) ein Traum in Erfüllung gegangen. Die 27-Jährige haute im letzten Durchgang mit 20,41 Metern eine Bestleistung raus und verbesserte sich noch von dem vierten auf den zweiten Rang. Im Interview hat leichtathletik.de die ersten Reaktionen der Vizeweltmeisterin eingefangen.

Christina Schwanitz hat sich mit einem nervenstarken Auftritt Silber geholt (Foto: Chai)


Herzlichen Glückwunsch zu Silber, wie geht es Ihnen so kurz nach ihrem Erfolg?

Christina Schwanitz:
Die Anspannung war groß. In den Wettkampf reingekommen bin ich gut. Die 19,20 Meter waren ein Sicherheitsstoß. Dann habe ich gedacht: Machste mal ein bisschen Ballett. Gib Kaffee. 19,70 Meter ist genau das, was ich das ganze Jahr gezeigt habe. Da kann keiner meckern. Aber, ich hatte ja noch eine Wette mit meinem Trainer offen.

Was für eine Wette?

Christina Schwanitz:
Es ging darum, dass ich im Trainingslager in Kienbaum, wo wir ein paar Mal im Jahr sind, länger schlafen darf, weil ich ein absoluter Morgenmuffel bin. Da zählt jede Minute.

Wie konnten Sie die Wette gewinnen?

Christina Schwanitz:
20 Meter stoßen, wenn der Trainer dabei ist. Das habe ich geschafft und darf im nächsten Jahr ausschlafen. Danach brauchen wir wieder neues, zum Locken.

Wie ging es Ihnen vor dem letzten Durchgang?

Christina Schwanitz:
Mit der Weite war ich noch nicht ganz zufrieden. Der Ehrgeiz war da. Wenn du weißt, dass du das kannst, dann knallst du einfach bloß. Ich habe mich super-wohl in dem Stoß gefühlt. Es ging gigantisch schnell. Ich habe die Kugel richtig getroffen. Der Winkel war richtig. Die Weite war noch richtiger. Das ist einfach nur ein hammergeiles Gefühl.

Können Sie kurz zusammenfassen, was diesen Stoß ermöglicht hat?

Christina Schwanitz:
Kurz wäre: 2013. Mein Jahr hat gigantisch angefangen mit 20,20 Metern. Ohne Druck, ohne Stress, einfach nur mit Spaß am Sport. Genauso, die 20,12 Meter in Oslo. Da war auch der Gedanke dabei: Das erwartet keiner von mir. Konstant habe ich immer 19,70 Meter gestoßen. Heute habe ich gedacht: Moment, es ist mehr drin. Ich habe heute Morgen eine gute Einheit gemacht und in den letzten Tagen weitertrainiert. Es heißt ja immer: Wer trainiert hat Angst. Wenn das so ist, habe ich gerne Angst. Es lohnt sich.

Wo kommt die Nervenstärke her?


Christina Schwanitz:
Ich arbeite mittlerweile seit anderthalb Jahren mit einer Psychologin zusammen, Grit Reimann aus Dresden. Und wie man sieht: Es war das Beste, was ich hätte tun können. Es ist ein tolles Gefühl, endlich das zeigen zu können, was ich drauf habe.

Was hat Ihnen Ihre Psychologin für diesen Wettkampf mit auf den Weg gegeben?

Christina Schwanitz:
Ich soll mich nicht so aufregen. Es ist ja bloß eine Weltmeisterschaft.

Wie schwer war es, dann noch die letzten Versuche der Konkurrenz mitanzusehen?

Christina Schwanitz:
Es war noch nicht durch. Jeder hat sechs Versuche. Dann fallen millionen Kilo Steine vom Herzen. Als es Bronze war, war es schon ein hammergeiles Gefühl. Ich habe gedacht: Ich? Bronze? Nach so vielen Jahren? Und dann Silber: Das ist nicht wahr. Man fliegt durch dieses Stadion und denkt: Alles richtig gemacht.

Nach dem Wettkampf ging es schnell zur Siegerehrung...

Christina Schwanitz:
Stimmt. Wir als Kugelstoßerinnen mussten rennen. Das ist eine Frechheit (lacht). Wir haben Interviews gegeben, dann wurden wir zur Zeremonie geholt. Es war etwas schade, dass im Stadion nur fünf Leute und drei Hunde die Siegerehrung mitbekommen haben. Aber: Die Leute zu Hause am Fernseher haben mitgefiebert und Gott sei Dank Däumchen gedrückt.

Vor dem Finale haben Sie gesagt, es wird der zweite große Wettkampf, den Sie genießen können. War das auch so?

Christina Schwanitz:
London war schon ein schöner Wettkampf. Naja, jetzt habe ich 1,80 Meter weiter gestoßen, nur fürs Protokoll. Und dieses Jahr gehe ich in den Ring und habe Spaß, weil die Leute mich anfeuern. Auch unsere deutsche Mannschaft war da, das habe ich gehört und ich konnte das für mich mitnehmen. Es war nicht: Oh Gott, ich habe Stress, du musst. Sondern: Geil, ich darf. Das ist ein riesen Unterschied.

Wie geht es nach der WM weiter?

Christina Schwanitz:
Nach der WM geht es zur Diamond-League nach Stockholm. Danach ist Diamond League Zürich. Danach Thum, Bad Köstritz und die Militäreuropameisterschaft und dann heirate ich.


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